Der Überlebende

Der Überlebende

 

 

 

Von Udo Marquardt Er ist einer der erfolgreichsten Maler

 

 

 

Heinrich Schmitt: Ikonen sind der Ort

der Begegnung mit dem Himmel

Wenn man ihn fragt, warum er heute nur noch Ikonen malt,

erzählt er von seinem Überleben nach einem Herzinfarkt.

»Der war so schlimm, dass ich eigentlich nicht mehr sein

durfte Er hat überlebt, ist heute bei bester Gesundheit,

vor allen Dingen ist seine Hand absolut ruhig, und die Augen

lassen ihn nicht im Stich. Jeden Tag – oder besser gesagt:

Jede Nacht malt er etwa zwei bis drei Stunden. Ein eigenes

Atelier hat er nicht, er malt im Wohnzimmer am Esstisch,

und zwar ausschließlich nachts bei Lampenlicht.

»Sonst glänzt der Goldgrund zu sehr und blendet

Nicht erst seit seinem Herzinfarkt empfindet Heinrich

Schmitt sich als ein Überlebender. Schon aus dem Zweiten

Weltkrieg hätte er eigentlich nicht wiederkehren dürfen,

sagt er. In über dreißig Nahkämpfen wurde er als junger

Soldat in Russland mehrfach verletzt. Fast alle 220 Kameraden

seiner Kompanie fielen; er gehörte zu den wenigen,

die die Hölle des Krieges ebenso überlebten wie die

vierjährige Gefangenschaft in Russland. Als er 1947 zurückkam

in seine Heimatstadt Rhöndorf, hielt seine Familie

ihn schon für tot. Dass er trotz Krieg und Gefangenschaft

am Leben blieb, schreibt der Katholik Schmitt dem

Wirken der Gottesmutter zu.

Schon damals nach dem Krieg wäre er am liebsten

Maler geworden. Aber er zog dann doch die Sicherheit

einer bürgerlichen Karriere vor und eröffnete in Düsseldorf

ein Friseurgeschäft, heiratete und wurde Vater dreier

Kinder. Das Geschäft lief gut, bald konnte er einen

zweiten Laden aufmachen. Für das Malen blieb neben

Arbeit und Familie nur wenig Zeit. Bis zu seinem schweren

Herzinfarkt 1971. Als er auf der Intensivstation wieder

zu sich kommt, meint er, das Bild der Gottesmutter

an der Decke zu sehen, und verspricht ihr: »Wenn ich

noch überlebe, mal ich nur dich In diesem Moment sagt

er, habe er seinen »Auftrag« bekommen. Von da an geht

es bergauf mit Heinrich Schmitt. Er wird rasch wieder

gesund. Die erste Marien-Ikone, die er überhaupt malt,

schenkt er seinem Arzt. Seitdem werden ihm die Ikonen

»aus der Hand gerissen«.

 

Textauszug aus

Publik Forum Extra

März 2007
zu bestellen bei

Publik Forum